Freitag, 3. März 2017

Quo vadis Würzburg

Bild: easycredit BBL

Eigentlich sollte 2016/17 eine Kopie des Jahres 2015/16 werden und sogar noch besser laufen. Aber es kam alles anders in Würzburg. Welche Gründe stecken dahinter? – Eine Analyse!

Rückblende! Am 15.05.2016 scheiterten die s.Oliver Würzburg in der ersten Runde der Playoffs gegen die Brose Bamberg. Dabei waren die Würzburger im Frankenderby chancenlos, aber dennoch glücklich über den Saisonverlauf. Doug Spradley diktierte damals in die Blöcke der Journalisten: „Danke auch an meine Mannschaft, denn wir haben mit dem frühzeitigen Klassenerhalt und dem Erreichen der Playoffs zwei Ziele erreicht. Darauf können wir stolz sein.“ Mit den selbigen Zielen wollten die Würzburger auch in die Saison 2016/17 gehen.

Zwar mussten die Würzburger bereits 15 Tage nach den Ausscheiden von den Playoffs sich bereits von ihrem Kapitän und Aufbauspieler Dru Joyce verabschieden, aber konnten adäquaten Ersatz mit Jake Odum präsentieren. Zwei Tage später kam die Meldung, dass sie mit ihren Leistungsträgern Brendan Lane und Lamonte Ulmer verlängern.  Abermals zwei Tage später konnten sie die Verpflichtung vom Flügelspieler Vladimir Mihailovic berichten. Mit diesen vier Spielern war sich die Expertenriege bereits sicher, dass das Ziel – die Playoffs – nicht in weite Ferne rücken. Anschließend herrschte ein wenig Ruhe um den Würzburger Kader, aber Ende Juni wurde die Rückkehr Kresimir Loncar bekannt gegeben. Der Kroate mit deutschen Pass hatte zuvor für ALBA Berlin gespielt und galt dort als guter Rollenspieler. Anschließend konnten die Würzburger mit zwei Talenten mit Lukas Wank und Georg Voigtmann auf einen Vertrag einigen. Als Spielmacher und Entlastung von Jake Odum fanden sie den College Rookie Marqueze Coleman als geeignet. Am 03.08.2016 komplettierten sie ihren Kader mit dem Power Forward Marshawn Powell. Aus der Vorsaison konnten sie außerdem auf die Deutschen Max Ugrai, Maurice Stuckey und Sebastian Betz zählen. In Summa wirkte der Kader sehr ausgeglichen und wohl überlegt zusammengestellt. Dem Saisonziel sollte nichts im Weg stehen.

Problemzone 1: Verletzungen in der Vorbereitung
Nichts ist schlimmer für eine Mannschaft als ein verletzter Spieler in der Vorbereitung. Als Marqueze Coleman am 06.08.2016 den obligatorischen Medizin-Check durchlief, entdeckten die Ärzte eine Verletzung am linken Knöchel. Die Verletzung konnte lediglich mittels einer Operation behoben werden Aus diesem Grund musste der Vertrag mit dem Aufbauspieler aufgelöst werden. Anschließend hat es über 17 Tage gebraucht um einen Ersatz zu finden und dieser wurde in Person von Ricky Tarrant präsentiert. Aber die Verantwortlichen waren sich der Fähigkeiten des 1.88m großen Aufbaus nicht sicher und gaben ihn nur einen Tryout-Vertrag. Nach Ablauf des Probevertrages wurde dieser nicht verlängert und stattdessen konnte der „Guard des Jahres“ aus Schweden verpflichtet werden. Der schwedische Nationalspieler Charles Barton soll für die nötige Entlastung sorgen. Keine zwei Wochen später schlug das Verletzungspech wieder zu bei den Unterfranken. Sebastian Betz verletzte sich am Sprunggelenk und soll länger ausfallen. Sein Ersatz kommt aus den eigenen Reihen mit Felix Hoffmann. Anschließend kam es zum Ausfall des Power Forward Marshawn Powell kurz vor Saisonbeginn und die Verantwortlichen mussten abermals den Spielermarkt sondieren. Mit James Southerland konnten sie fünf Tage vor dem ersten Spieltag einen Bundesligaerfahrenen Power Forward verpflichten.

Problemzone 2: Spielerabgang während der Saison
Zwar konnten die Neuzugänge gut ins Spielsystem integriert werden, dennoch kam es abermals zu unruhigen Zeiten im Kader. So verließ zum Nikolaustag James Southerland den Kader und Marshawn Powell musste in den Kader wieder integriert werden. Dabei unterscheiden sich die beiden Spieler auf den ersten Eindruck von der Spielweise nicht, dennoch muss 27-Jährige die Laufwege und Systeme lernen. Aber bereits bei seinem zweiten Spiel konnte der 2.01m große Forward zweistellig punkten. Stattdessen kam die Meldung über die Auflösung des Vertages mit Vladimir Mihailovic am 13.12.2016 völlig überraschend. Zwar konnte der Guard, welcher aus Tübingen kam, nicht an seine Leistungen aus der Vorsaison anknüpfen, aber wirkte dennoch nicht wie ein Fremdkörper innerhalb des Mannschaftsgefüge. Aber dennoch sahen beide Seiten keine gemeinsame Zukunft aufgrund seiner bisherigen Leistung und lösten den Vertrag einvernehmlich auf. Dadurch fehlten den Würzburgern auf einen Schlag 7.3 Punkte pro Partie und ein hochprozentiger Werfer, denn in seinen 12 Spielen für die Würzburger traf der Montenegriner über 52% seiner Würfe aus dem Zweipunktbereich.

Problemzone 3: Rotation bzw. Überlastung von Odum
Durch den Abgang von Vladimir Mihailovic wurde der Kader auf den kleinen Positionen ziemlich dünn.  Hinzu kommt, dass Charles Barton nicht an seine Leistungen aus Zeiten in der schwedischen Liga nicht anknüpfen kann. Auf Grund dieser beiden Tatsachen steht Jake Odum über 32 Minuten auf dem Parkett und hat dadurch am längsten den Ball in der Hand. Zwar kann Maurice Stuckey für Entlastung sorgen, aber der gebürtige Augsburger fühlt sich auf der Position des Shooting Guard eher daheim als auf der Aufbauposition. Von daher stand Odum lediglich in sechs Partien weniger als 29 Minuten auf Parkett. Zwar überzeugt der 26-Jährige mit knapp 16 Punkten und 5.8 Vorlagen pro Partie, aber auf der anderen Seite verliert er auch über 2.4mal pro Spiel den Ball. Meistens schleichen sich diese Konzentrationsfehler gegen Ende der Partie ein und bringen somit der Mannschaft um den Sieg. Jüngstes Beispiel ist die Auswärtspartie gegen die Fraport Skyliners. Nach Einwurf seiner Mannschaft konnte Quantez Robertson ohne größere Probleme den Ball klauen. Selbstverständlich hielt Jake Odum auf der anderen Seite seine Mannschaft mit seinen Wahnsinnsdreier lange in der Partie.

ZusammenfassendHätten die Würzburger keine Verletzungsprobleme in der Vorbereitung erlebt und die Neuzugänge hätten so funktioniert wie vorgestellt, dann wären sie nicht in der Situation wie sie im Moment sind. Stattdessen fällt und steht die Leistung allen voran von Jake Odum. Mit seinen Dreiern jenseits der neun Metern kann er ein Segen sein, aber gleichzeitig durch seine Ballverluste in Schlüsselmomenten ein Fluch. Dennoch ist Dirk Bauermann guter Dinge für die Zukunft: „Wir merken eine deutliche Steigerung innerhalb der Mannschaft Woche für Woche.“ Auch Gordon Herbert erkennt das Potenzial der Würzburger: „Sie gehen stets aggressiv zum Ball und sind ein toughes Team dadurch.“

Montag, 27. Februar 2017

Via Facebook zum Nationalspieler

Bild: Fraport Skyliners
Was zunächst wie der Titel eines Satiremagazins klingt, ist aber für den Combo-Forward der Fraport Skyliners Shavon Shields völlig normal. Darüber und mehr hat er mir in einem ausführlichen Interview verraten.

Aus sportlicher Sicht war die Saison 2015/16 für die Fraport Skyliners eines der erfolgreichsten. Zumindest seitdem der Flughafenbetreiber Fraport als Hauptsponsor eingestiegen ist. Dementsprechend wurden Begehrlichkeiten für die Protagonisten des Erfolges nach der Saison geweckt. Ein herber Verlust – aufgrund seiner Vielseitigkeit – war der des Kanadier Aaron Doornekamp. Einen identischen Spielertyp zu finden, war also nahezu unmöglich für Gordon Herbert. Daher entschloss er sich für die Wahl eines College-Rookie mit viel Potenzial nach oben. Diesen fand er mit Shavon Shields. Dabei hat Shavon Shields sich in seinen vier Jahren an der Universität von Nebraska einen Namen gemacht. Da er zum elitären Kreis der Spieler gehört, welche die Marke von 1.500 Punkten und 600 Rebounds geknackt haben. Hinzu kommt, dass er aufgrund der dänischen Wurzeln seiner Mutter im Jahr 2013 erste Erfahrungen auf europäischen Parkett sammeln konnte. Denn er nahm an der Nordic Championship teil. Dies ist ein Länderturnier zwischen den skandinavischen Ländern sowie Estland.

Aber mehr dazu nun im Interview!

Shavon, es ist nicht dein erstes Mal in Europa, richtig?

Shavon Shields: Meine Mum kommt aus Dänemark, daher war ich bereits vorher in Europa. Wir besuchen jeden Sommer meine Verwandten und machen immer Ausflüge. Dabei waren wir auch mal in Deutschland.

2013 hast du an der Nordic Championship teilgenommen. Welche Erinnerungen hast du an diesem Turnier?

Shields: Ich bin nach Kopenhagen geflogen. Das U20-Team und ich durften gemeinsam mit der Nationalmannschaft an eine Art Trainingslager teilnehmen. Anschließend sind wir nach Finnland geflogen und haben drei Spiele absolviert. Es hat sehr viel Spaß gemacht und es war eine sehr gute Erfahrung zugleich.

Inwieweit hat dir dieses Turnier geholfen persönlich und sportlich?

Shields: Es war auf jeden Fall eine gute Erfahrung. Die europäische Spielweise ist doch komplett anders aufgrund ihrer Regeln. Bestes Beispiel hierfür ist die Schrittfehlerregelung. Aber sportlich hat es mir dennoch nicht weitergeholfen, denn wir waren alle jung. Es ist anders als, wenn ich als jüngerer gegen Erwachsene spielen hätte dürfen.

Wie du bereits gesagt hattest, ist deine Mum aus Dänemark. Hat der Verband dich kontaktiert oder hast du den Verband kontaktiert?

Shields: Der Verband hatte mich kontaktiert bzw. sie hatten meine Mum über Facebook kontaktiert.


Ein Jahr später zurück in Nebraska hattest du die Gelegenheit am March Madness teilnehmen zu dürfen. Wir kennen so etwas nicht in Deutschland. Nimm uns mit in diese Welt!

Shieds: Es ist ein einmaliges Erlebnis, welches du vermutlich nur einmal in deinem Leben erleben wirst. Du bist einfach mittendrin, mittendrin zwischen den Verrückten. Wir waren damals im Team sehr glücklich, dass wir es geschafft haben und dieses Gefühl erleben dürfen. Dafür arbeitet man schließlich.

Dein Trainer Tom Miles wurde auch in dieser Spielzeit Trainer des Jahres. Inwieweit hat er dir weitergeholfen als Spieler?

Shields: Er hat mir bei jedem Training geholfen. Er hat mir sehr viel Vertrauen geschenkt und hat daher auch einige Spielsysteme für mich entwickelt. Zudem habe ich sehr viel Spielzeit bekommen von ihm und ich habe mich dementsprechend schnell entwickelt. Als Freshman (Anm.: Studenten im ersten Jahr an Universität werden so genannt) habe ich über 28 Minuten bekommen und das hat meiner Entwicklung sehr weitergeholfen. Den nur über das Spiel lernt man das Spiel und nicht nur durchs zuschauen. Er hat mich einfach ins kalte Wasser geworfen und das hat mir sehr weitergeholfen.

Wie würdest du denn seine Art als Trainer beschreiben?
Shields: Er ist ein sehr leidenschaftlicher Trainer. (lacht) Er versucht immer wieder dich zu animieren, aber er hat ein großes Basketballverständnis. Außerdem ist er als Mensch immer für dich da, wenn du ein Problem hast. Er hat wirklich ein gutes Programm in Nebraska aufgebaut und hat auch Interesse an den Zuschauern mit deren Wünschen.

Du warst am College nicht der schlechteste. Dennoch hast du die gesamten vier Jahre dort verweilt und hast die Rufe der NBA ignoriert. Weshalb?

Shields: Schulbildung ist eine wichtige Sache für meine Familie. Meine Eltern waren die Ersten innerhalb ihrer Familie, welche einen Abschluss erworben haben und das haben sie an uns weitergegeben. Zuerst machst du deinen Abschluss und dann den Rest.

Das ist eine sehr ungewöhnliche Aussage: „Education first, Sport second“. Siehst du das nicht doch kritisch?

Shields: Nein, meine Eltern haben mir das stets eingeimpft, dass das ein Schulabschluss wichtig ist. Daher gab es für mich keine andere Alternative.

Nach deiner Zeit in Nebraska hast du deinen Traum von der NBA über die Summerleague versucht zu erfüllen. Wie war es ein Teil eines NBA Vereins kurzfristig zu sein?

Shields: Es war einfach großartig. Ich durfte einfach während der Summerleague die NBA hinter den Kulissen erleben mit all dem Personal und Schnickschnack. Allein das ganze Training war überwältigend. Ein wichtiges Erlebnis für mich.

Dann hast du dich für die Fraport Skyliners entschieden. Wie entstand der Kontakt?

Shields: Mein Agent hatte es damals für mich alles geregelt.


Du bist nun über fünf Monate in der Mainmetropole. Fühlst du dich den bereits wohl?

Shields: Natürlich. Es ist eine schöne Stadt. Wir sind eine junge Mannschaft und dadurch machen wir viele Sachen gemeinsam. Beispielsweise sitzen wir gemeinsam an der Konsole und zocken FIFA. Dadurch ist es eine angenehme Situation für mich.

Hast du zuvor schon von der BBL gehört oder war sie für dich Neuland?

Shields: Ja, ein paar Freunde aus anderen Colleges haben in der BBL bereits gespielt.

Hattest du bereits vor der Saison Erwartungen an die Liga oder an dich selbst?

Shields: Ich sah eigentlich alles pragmatisch, denn ich war noch nie wirklich woanders. Zudem können Erwartungen dich umbringen – im Sinne von enttäuschen. Ich habe wirklich versucht die Situation so anzunehmen wie sie ist.

Dein Statsverlauf ist sehr typisch für einen Rookie. Was machst du beim Training oder hast du einen bestimmten Trainingsfokus?
Bild: Fraport Skyliners

Shields: Eigentlich nur lernen. Ich sage immer wieder, es ist mein erstes Jahr und die Saison ist deutlich länger als ich es bisher kenne. Außerdem ist das Spiel komplett anders. Dies macht sich vor allem beim Spacing bemerkbar oder die stände rotierende Verteidigungsart. Ich versuche das einfach zu verstehen und zu lernen.

Gucken wir mal aufs Team. Der Saisonstart war sehr holprig. Einige Spiele kamen, einige Spieler gingen. Wie schwer war es für dich sich auf diese Situation einzulassen?

Shields: Es war selbstverständlich sehr schwer für mich. Jeder hat eine andere Art zu spielen und ich musste mein Spiel dementsprechend anpassen. Kaum hatte ich es geschafft, war der Spieler auch nicht mehr bei uns im Kader. Aber wir mussten alle damit umgehen, aber nun sind wir auf einem guten Weg.

Wie du auch selbst weißt, seid ihr ein junges Team. Wie wichtig ist es einen Spieler wie Quantez Robertson im Kader zu haben mit all seiner Erfahrung?

Shields: Es ist wirklich sehr wichtig für uns alle. Er gibt sich wirklich sehr viel Mühe mit uns jungen Spieler. Beim Training gibt er immer wieder Hinweise, was wir besser machen können. Außerdem erklärt er nochmals die Spielsysteme. Einen Spieler wie ihn in der Mannschaft zu haben, ist wirklich sehr wertvoll.

Macht sich dies auch abseits des Platzes bemerkbar?

Shields: Selbstverständlich. Er nimmt uns junge Spieler an die Hand und zeigt uns wie die europäische Lebensweise funktioniert. Das war für mich besonders wichtig, denn ich bin das erste Mal von daheim weg. Da ist natürlich für mich alles sehr viel anders und da ist er wirklich eine große Stütze für mich.


Zurück zum Sport. FIBA Champions League ist nun unglücklicherweise vorbei. Wie wichtig war das Turnier für dich und der Mannschaft?

Shields: Es war ein Wettbewerb und ich bin immer noch enttäuscht über das Ausscheiden und das wir nicht zu den besten 16 Mannschaften gehören. (Anm.: Fraport Skyliners hatten einen Zehn-Punkte-Vorsprung gegen Pinar Kariskaya verspielt) Aber selbstverständlich nehmen wir diese Zeit mit für unsere Entwicklung als Mannschaft und motivieren uns selbst. Auch weil wir grad so eine junge Mannschaft sind, war dieses Turnier sehr wichtig als Erfahrung.

Nun könnt ihr euch auf die BBL konzentrieren und die Playoffs sind nicht sonderlich weit weg. Ist das Thema innerhalb der Mannschaft bereits oder denkt man eher von Spiel zu Spiel?

Shields: Noch zwei Spieltage und wir haben noch zehn Spiele in der regulären Saison zu spielen. Wir wollen uns da noch keine Luftschlösser bauen. Aber natürlich reden wir gelegentlich darüber.

Dein Vertrag hat eine Option für nächste Saison. Ist das bereits ein Thema?
Shields: Nein, ich werde mich mit den Verantwortlichen am Ende der Saison erst zusammensetzen.

Dein Erkennungsmerkmal ist deine Frisur. Woher hast du deine Mähne, weil dein Vater hat ja eher eine Glatze?

Shields: Ich habe wirklich keine Ahnung, denn mein Vater hat wirklich eine Glatze und meine Mutter ist eine Weiße und hat daher nicht die Gene.

Zum Abschluss zurück zur dänischen Nationalmannschaft: Werden wir dich im Dress der Nationalmannschaft sehen demnächst?

Shields: Wie du weißt, sind die ganzen Spielplan-Diskussionen noch nicht abgeschlossen. Daher muss man diese ganze Thematik abwarten. Aber ich würde es lieben für die Nationalmannschaft mal aufzulaufen. Auch der Verband weiß über meine Absichten, aber auch sie müssen abwarten.


In diesem Sinne vielen Dank an Shavon Shields für seine Zeit und einen Dank an die Fraport Skyliners, dass sie dieses Gespräch ermöglicht haben. Zudem alles Gute für die restliche Saison und hoffentlich wird das Saisonziel mit den Playoffs noch Realität.

Samstag, 25. Februar 2017

Nach Ernüchterung folgt Erfolg

Bild: Fraport Skyliners

Das Hinspiel zwischen den Fraport Skyliners und den s.Oliver Würzburg war ein Spiel mit zwei Gesichtern. Während Frankfurt die erste Hälfte dominierte, schlugen die Würzburger eindrucksvoll zurück. War das Rückspiel genauso?

2017 steht bislang noch keinen guten Stern für beide Mannschaften. Trotz der Rückkehr von Dirk Bauermann in die easycredit BBL steht noch kein Sieg auf seinem Konto. Auf der anderen Seite schenkten die Frankfurter einen zehn Punktevorsprung auf internationalen Boden ab und können nun sich voll auf die Bundesliga konzentrieren. Diese Konzentration ist auch nötig, denn das Saisonziel – die Playoffs – sind noch nicht außer Reichweite. Selbstverständlich werden die Würzburger etwas dagegen haben, denn sie möchten möglichst bald aus dem Tabellenkeller sich verabschieden trotz vier Siege Vorsprung auf Vechta. Aber nun zum Spiel selbst.

Q1 (20:17)
Bereits im Vorfeld der Partie war klar, dass die Frankfurter auf Shawn Huff verzichten müssen. Der Finne leidet unter einer Magen-Darm-Grippe. Auf der Gegenseite ist Mustafa Shakur noch nicht 100%ig fit. Eine ausverkaufte Fraport Arena verhalf den Gastgeber zu einem guten Start oder in Zahlen ausgedrückt: Nach sechs Minuten stand es 12:6. Aber Würzburg kämpfte sich über ihre Verteidigungsarbeit zurück in die Partie und hatte es geschafft die Partie auszugleichen. Aber Frankfurts Nachverpflichtung AJ English verwandelte 1.9 Sekunden vor dem Ende der Partie einen Dreier aus der Ecke. 4802 Frankfurt Fans waren dementsprechend aus dem Häuschen und brachten die Halle zum Beben.

Q2 (14:20)
Dieses Beben war auch zu Beginn des zweiten Viertels zu spüren. Davon nicht wirklich beeindruckt waren die Würzburger und ihr 200-Mann-Anhang. Angeführt von Jake Odum und Kresno Loncar holten sich die Unterfranken die Führung zurück. Danach folgte ein offenes Spiel und die Führung wechselte immer hin und her. Aber Würzburg hatte die bessere Verteidigungsarbeit und den längeren Atem und sicherte sich eine knappe Halbzeitführung. Auch weil Shavon Shields seinen Dreier kurz vor Ende des zweiten Viertels vergeben hat.

Q3 (18:16)
Sowohl Dirk Bauermann als auch Gordon Hebert schickten die gleiche Startformation aufs Parkett wie zu Beginn der Partie. Abermals konnten die 5002 Zuschauer eine offene Partie miterleben. Rookie Shavon Shields zeigte einmal mehr seine Naivität und passte immer wieder in der Offensive auf und sorgte zweimal in Folge für Punkte nach einem Offensivrebound seinerseits. Schnell war die größte Führung der Gastgeber da (52:45). Aber Würzburg kämpfte sich wieder zurück über ihre Verteidigungsarbeit sowie ihrem besseren Stellungsspiel in der Offensive. Lohn der Arbeit war die Zurückeroberung der Führung.

Q4 (27:23)
Zu Beginn des letzten Viertels wirkte Würzburg wie die aktivere und siegeswilligere Mannschaft. Würzburg traf über vier Dreier in Folge und hatte auch die größte Führung im gesamten Spiel inne. Nach einem Parkplatzschuss von Jake Odum wurden die Frankfurter geweckt. Hinzu kommen glückliche Schiedsrichterpfiffe. Resultat: Frankfurt erkämpfte sich die Führung ins Spiel zurück und gewann auch die Kontrolle über das Spiel. Wenige Sekunden vor Spielende traf AJ English wieder einen wichtigen Dreier und sorgte für die erste kleine Vorentscheidung. Aber der Kapitän persönlich Quantez Robertson sorgte für den Schlussstrich mit seinem Steal an Jake Odum und seinen zwei verwandelten Freiwürfen. Somit stehen die Würzburger weiterhin ohne Sieg 2017 da und die Frankfurter können weiterhin von den Playoffs träumen.


Ein paar Stimmen zum Spiel noch zum Abschluss:

Gordon Herbert: „Wir haben heute einen besseren Einsatz gezeigt als unter der Woche in der Türkei. Heute gab es im Spiel viele Ups und Down. Mal haben wir mit vier geführt, dann sie mit sechs; dann wir mit fünf, dann sie mit acht. Es gab immer wieder kurze Sprints auf beiden Seiten. Ich bin stolz über die Art und Weise, wie wir heute gewonnen haben. Das war ein hartes Spiel, aber wir haben nicht aufgegeben und gekämpft. Das war heute nicht schön, aber wir haben einen Weg gefunden. Wir haben heute zudem eine bessere Defense gespielt als in der Türkei. Das war aggressiv und wir haben uns durchgekämpft – trotz aller Aufs und Abs in der Partie und dem aggressiven und körperlichen Spiel von Würzburg."

Max Merz: „Es war ein intensives Spiel. Würzburg hat sehr gut getroffen. Aber nach der Halbzeit sind wir immer besser ins Spiel gekommen und haben aggressiv verteidigt und am Ende verdient gewonnen.“

Dirk Bauermann: „Glückwunsch an Frankfurt. Sie hatten unter der Woche ein Spiel in der Türkei und waren dennoch zu einer Energieleistung in der zweiten Halbzeit fähig. Am Ende hatte meiner Mannschaft es an Konzentration gefehlt und da wäre eine personelle Alternative wichtig. Dennoch haben die Akteure, welche auf dem Feld waren eine gute Leistung abgerufen. Ich sehe meine Mannschaft auf dem guten Weg jeden Tag und Woche.“


Lamonte Ulmer: „Wir haben zwar aggressiv verteidigt, aber am Ende hatte es nicht für einen Sieg gereicht. Aber wir werden immer besser.“

Mittwoch, 15. Februar 2017

Berlin, Berlin wir fahren nach Berlin

Bild: Euroleague

Jeder kennt den Fußball-Schlachtruf. Nun kann dieser auch zum Basketball angestimmt werden. Am dritten Februar-Wochenende (18.02/19.02) kommt es zum Pokalwochenende der easycredit BBL.  Die Teilnehmer lauten neben Gastgeber ALBA Berlin: Brose Bamberg, FC Bayern Basketball und die MHP Ludwigsburg.

Bevor nun die einzelnen Teilnehmer präsentieren, möchte ich euch auf eine kleine Zeitreise mitnehmen begleitet von diversen Zahlen. Der letzte Double-Gewinner heißt Brose Bamberg und dieser stammt aus dem Jahr 2012. Eben jenes Jahr, wo die Bamberger auch zuletzt den Pokal gewonnen haben. Bei all dem Streit um den Modus: So konnten seit der Einführung 2010 lediglich drei Mannschaften ihren Heimvorteil nutzen. 2015 die EWE Baskets Oldenburg, 2013 ALBA Berlin und 2011 die Brose Bamberg. Die letzte Teilnahme der MHP Ludwigsburg stammt aus dem Jahr 2008. Damals unterlagen die Schwaben im Finale gegen die Artland Dragons 74:60. Fünfmal war bereits Berlin Austragungsort für ein Pokalwochenende und ALBA Berlin konnte davon viermal sich den Titel sichern.

ALBA Berlin: „Nicht übertrieben optimistisch“
Eigentlich sind die Vorzeichen den Pokal zu gewinnen ziemlich gut für ALBA Berlin. Wäre da nicht die Verletzung von ihrem Aufbauspieler Peyton Siva. Der 1.83m große Guard hat sich in den letzten Wochen sowohl in der Bundesliga als auch im europäischen Wettbewerb als wichtige Stütze entwickelt. Dabei lassen sich viele Aktionen des 26-Jährigen gar nicht quantifizieren und dennoch können seine 5.4 Vorlagen pro Spiel sowie 1.65 Steals pro Spiel hervorgehoben werden. Mit beiden Werten rangiert er in den Top 10 der Liga und trägt dazu maßgeblich bei das ALBA Berlin einen den mannschaftsdienlichsten Basketball der Bundesliga spielt. Eines der größten Probleme von ALBA Berlin in der Saison 2016/17 ist die konsequente Verteidigungsarbeit. Während in der vergangenen Saison in über acht Spielen der Gegner nicht über 70 Punkte kam, sind es diese Saison erst zwei Spiele. Dennoch galt die Niederlage am 10. Spieltag gegen Brose Bamberg als Weckruf und ALBA Berlin entwickelte sich zum heißesten Team der Liga neben ratiopharm Ulm. Bis die Verletzung von Peyton Siva für den Rückschlag sorgte. Aus diesem Grund schiebt Geschäftsführer Marco Baldi lieber die Favoritenrolle weiter: „Bayern ist Favorit, da sie in einer aktuellen sehr guten Form sind.“

FC Bayern Basketball: „Spielen im Moment ganz guten Basketball“
Die gute Form, welche Marco Baldi angesprochen hat, lässt sich ganz einfach belegen. Denn wettbewerbsübergreifend betrachtet, ist der FC Bayern Basketball aktuell das beste Team in Deutschland. Lediglich fünf Niederlagen mussten die Münchner in dieser Spielzeit erst einstecken. Dennoch weißt das Spiel der Münchner gewisse Lücken auf. Eine davon ist die bisweilen nicht erkennbare Rollenverteilung innerhalb der Mannschaft. Lies: Es ist unklar bei engen Spielen, wer die Verantwortung übernehmen soll. Auch fehlt den Bayern bislang ein dominanter Aufbauspieler wie einst Malcom Delaney oder Tyrese Rice. Insbesondere bei den fünf Niederlagen ist besonders auffällig, dass die Bayern Probleme haben sobald der ballführende Spieler unter Druck gesetzt wird. Trotz dieser fehlenden Personalie verteilen die Bayern die meisten Vorlagen innerhalb der Bundesliga und schließen besonders effektiv ab. Nach Berlin reisen die Münchner als heißestes Team an, denn seit über 13 Spielen sind sie wettbewerbsübergreifend ungeschlagen unterwegs. Auch bei der Pokalgeneralprobe gegen ALBA Berlin zeigten sie bereits aus welchen Holz sie geschnitzt sind. Daher ist Marko Pesic auch festentschlossen: „Wir wollen jetzt gewinnen und möchten die Chance haben ein Turnier zu gewinnen.“

MHP Riesen Ludwigsburg „Wir sind nicht Favorit“
Der klare Außenseiter zu sein, ist eine Rolle die gefällt den Ludwigsburgern ganz gut. Es begann bereits bei der Qualifikation für das Pokalwochenende. Nach der Auslosung waren sich die Fans von ratiopharm Ulm ziemlich siegesgewiss und markierten sich das Wochenende im Februar in ihren Kalender als einen Ausflug nach Berlin. Aber sie hatten nicht die Rechnung mit einer giftigen und sehr guten verteidigten Mannschaft aus Ludwigsburg gemacht. Es ist nicht nur die Philosophie von John Patrick sondern auch der Versuch die Schwächen der Schwaben zu verstecken. Denn kein Team trifft schlechter von jenseits der 6.75m wie das Team aus Ludwigsburg. Zudem gehören die Ludwigsburger nicht zu den offensivstärksten Mannschaften der Liga und rangieren dort im letzten Viertel der Tabelle. Kämpferisch, aber mit einer Portion Selbstironie, lautet auch das Motto der Ludwigsburger für das Pokalwochenende: „Das geilste B beginnt mit L“

Brose Bamberg „Merken das die Körner oft fehlen“
Selbstreflexion ist eine wichtige Tugend im Profisport. Dementsprechend weiß Geschäftsführer Rolf Beyer, dass sein Team bereits 44 Spiele auf dem Buckel hat, wenn sie das zweite Halbfinale gegen Ludwigsburg bestreiten. Eine Saison, welche von der Intensität, keine Grenzen kennt und niemand zuvor in Deutschland in dem Maße durchgemacht hat. „Natürlich möchten wir unserer Rotation profitieren, dafür haben wir einen tiefen Kader“ lauten die deutlichen Worte vom Geschäftsführer. Inwieweit sie dennoch die Intensität hochhalten können, zeigen die Spiele im Ligabetrieb. Trotz der Reisestrapazen haben die Oberfranken die beste Defensivmannschaft aller Ligateilnehmer. Zudem zeigte die Mannschaft bereits im Ligabetrieb häufiger Moral trotz eines verschlafenen Startes. Bestes Beispiel hierfür war das Oberfranken-Derby gegen die medi Bayreuth. Dabei rannten Bamberg kontinuierlich einen Rückstand hinterher und konnte am Ende das Spiel in der Verlängerung für sich entscheiden. Inwieweit das Nachholspiel des 19. Spieltages bereits einen in die Karten spielt, da es ausgerechnet das gleiche Duell wie im Halbfinale ist, weiß niemand. Dennoch kann es als spannend betrachtet werden. Rolf Beyer sieht sich nichtsdestotrotz als Mahner: „Favorit sein, ist manchmal eine Gefahr. Das haben wir die letzten zwei Jahren gesehen.“


Die Frage, wer nun den Titel in seine Vitrine stellen darf, kann nicht beantwortet werden. Aber eines ist sicher: Jede der Teilnehmer braucht zwei perfekte Tage um sich den Titel zu angeln. Oder um in den Worten des Geschäftsführers der Bundesliga, Stefan Holz, zu sprechen: „Es wird sicherlich ein spannendes Wochenende und möge der bessere gewinnen.“

Donnerstag, 19. Januar 2017

Shved Show fast gestoppt

Eigenes Bild
Während bei ratiopharm Ulm der olympische Gedanke beim Eurocup herrscht, möchte Khimki Moskau unbedingt ihren Erfolg aus den Jahren 2012 und 2015 wiederholen. Ein Duell mit unterschiedlichen Vorzeichen gab es am 18.01.2017 in der ratiopharm Arena zu sehen.

Bislang kann der Auftritt von Khimiki Moskau in der laufenden Eurocup-Saison als sehr souverän abgestempelt werden. Aber ausgerechnet am letzten Spieltag mussten die Moskauer eine empfindliche Niederlage gegen den FC Bayern Basketball einstecken. Dabei wussten die Münchner den Star der Mannschaft sowie des Eurocup Alexey Shved an die kurze Leine zu halten. Ähnliches Ziel verfolgt auch Thorsten Leibenath mit seiner Mannschaft und hat seine Mannschaft dementsprechend eingestellt. So viel zum Vordergrund der Partie und nun in die Partie.

Viertel 1 (15:27)
Bereits die siebte Partie in Folge muss ratiopharm Ulm auf seinen Lenker und Denker Per Günther verzichten. Dementsprechend musste Braydon Hobbs wieder die Regie übernehmen von Anfang an. Nächste Veränderung in der Anfangsformation war, dass Augustine Rubit den Vorzug gegenüber Da’Sean Butler bekam. Alexey Shved zeigte in den ersten Minuten, weshalb man ihn nicht aus den Augen lassen sollte und seine Mannschaft hatte schnell eine 2:10 Führung inne. Aber neben Shved sorgten der quirlige Guard Vyacheslav Zavytsev und der bullige Center Dmitry Sokolov für Probleme bei der Ulmer Verteidigung und griffen sich einen Offensivrebound nach dem anderen ab. Diese entstandenen zweiten oder dritten Chancen nutzen die Moskauer für ihren Vorteil.

Viertel 2 (34:21)
Als Thorsten Leibenath nach der Viertelpause fast nur die junge Garde – bestehend aus Marcell Pongo und David Krämer – aufs Parkett schickte, dachte fast jeder das sich die Ulmer Mannschaft nun aufgegeben hätte. Aber stattdessen war es ein taktischer Kniff, denn die jungen Wilden sorgten immer wieder für Lücken in der Defensive und der freie Da’Sean Butler konnte in aller Ruhe einen Dreier nach dem anderen versenken. Zudem machte sich eine gewisse Selbstsicherheit bei Khimki Moskau breit, während ratiopharm Ulm immer wieder um jeden Ball kämpften. Knapp 39 Sekunden vor dem Ende des zweiten Viertels sorgte Karsten Tadda für den Führungswechsel und die Halle bebte.

Viertel 3 (16:20)
Dieses Viertel verdient die Überschrift „Feuer gegen Wasser“. Ratiopharm Ulm versuchte seinen Spielstil des schnellen Balles durchzusetzen, während Khimki Moskau darauf bedacht war eher seine Setplays zu spielen. Die Folge war, dass sich die Hausherren immer mehr unnötige Ballverluste einhandelten. Dadurch hatten die Moskauer immer wieder die Chance einfache Punkte zu erzielen. Außerdem stellte Dusko Ivanovic häufig seine Verteidigung um und störte somit den Offensivrhythmus der Ulmer empfindlich. Dank einer guten Quote von außen konnte Ulm den Vorsprung im einstelligen Bereich halten.

Viertel 4 (25:27)
Eine ähnliche Strategie bekamen die knapp 5000 Zuschauer in der ratiopharm Arena zu sehen. Nur die Wurfquote von Moskau kam leicht ins Straucheln und somit konnte Raymar Morgan knapp sieben Minuten vor dem Ende die Partie ausgleichen. Anschließend war es eine offene Partie und Ulm konnte sich einen leichten Vorsprung wieder erarbeiten. Hatten aber nicht mit der Rechnung des ehemaligen Bonner-Spielmachers EJ Rowland gemacht. Dieser übernahm gegen Ende der Partie immer mehr die Verantwortung und führte sein Team auf die Gewinnerstraße. Zudem musste Ulm seiner verkleinerten Rotation Tribut zollen. Dennoch war Shved voller Lob: „Ulm hat eine großartige Mannschaft und großartige Fans“

Top des Spiels
Es wäre zu einfach hier die 28 Punkteleistung von Alexey Shved zu erwähnen, daher bekommt Vyacheslav Zavytsev den Vorzug. Der 27-jährige Guard stellt immer wieder die Ulmer Verteidigung auf den Kopf mit seinen Zügen zum Korb oder angelte sich einen Offensivrebound nach dem anderen. Zudem fand er immer wieder den freien Mann und konnte dadurch seine Mitspieler in Szene setzen. Dank seiner Leistung konnte Alexey Shved auch immer wieder mal durchschnaufen.

Flop des SpielsPetri Mantyla kann hier durchaus genannt werden. Aber wer ist Petri Mantyla? Der steht ja gar nicht im Kader von ratiopharm Ulm oder Khimki Moskau. Der Finne ist zwar eine feste Institution im europäischen Basketball und ist Schiedsrichter. Gestern hatte er manchmal die Partie nicht im Griff. Weder bei den Foulpfiffen gab es keine eindeutige Linie noch gab es immer wieder Verwirrung wegen den Auszeiten.

Dienstag, 10. Januar 2017

Hessenderbysieger

Bild: Fraport Skyliners
Immer wenn die Fraport Skyliners auf die Gießen 46ers treffen, kann die gewisse Rivalität gespürt werden. Dabei erlebten beide Mannschaften einen größeren Umbruch über den Sommer hinweg und kämpfen nun im Tabellenmittelfeld.

Unterschiedlicher hätte der Saisonverlauf beider Mannschaften bislang nicht verlaufen können. Während die Fraport Skyliners ihren Verjüngungsprozess fortsetzen und auf junge Spieler setzten, versuchten die Gießen 46ers eine bunte Mischung aus Erfahrung und jungen Spielern zu finden. Bislang ging für beide Mannschaften die Rechnung nicht komplett auf und beide Teams auf und beide Teams kämpfen im Tabellenmittelfeld. Für die Fraport Skyliners kam es sogar durch die Doppelbelastung mit der FIBA Champions League knüppeldick, sodass bereits das Abstiegsgespenst kurz seine Runde gemacht hatte. Aber intelligente Nachverpflichtungen gaben eine neue Hoffnung auf eine solide Rückrunde. Aber genug mit der Vorgeschichte nun zum Spiel selbst.

Viertel 1 (21:16)
Ausverkaufte Hütte in der Fraport Arena und die Stimmung ist dementsprechend bereits da. Die Fans spüren bereits, dass es eine intensive Partie wird. Aber die Mannschaft von Gordon Herbert wollte lieber seinen Fans zeigen, dass in der Mannschaft einiges an Potenzial schlummert. Gut eingestellt konnten die Fraport Skyliners schnell eine 11:3 Führung für sich behaupten und zwangen Denis Wucherer zur ersten Auszeit. Mit den richtigen Worten an seine Mannschaft konnte sich die Gießner von diesem Blitzstart wieder erholen. Aber die Skyliners zeigten ihre alte Stärke: Intensität. Somit konnten sie den Gegenangriff abwehren und sich wieder die Führung zurückerobern.

Viertel 2 (12:12)
Intensität ist auch das Schlagwort des zweiten Viertels. Beide Mannschaften schenkten sich keinen Zentimeter Parkett in dieser Phase der Partie. Zwar hatten die Gießen 46ers das bessere Wurfglück und konnten die Partie wieder ausgleichen. Gordon Herbert hatte noch ein Ass im Ärmel in Köcher und schickte die kleinstmögliche Aufstellung aufs Parkett. Eine Phase der Partie in der Shavon Shields mit seinen 2.01m der größte Mann auf dem Feld in den Reihen der Fraport Skyliners. Von diesem Kniff überrascht konnten die Hausherren ihren Vorsprung wieder auf fünf Punkte zurück erobern.

Viertel 3 (15:10)
Zwar gehörten die ersten vier Punkten nach der Halbzeit den Frankfurtern, aber dennoch hatte es den Anschein das die Partie zum Kippen drohte. Angeführt von ihrem Teamkapitän Cameron Wells versuchten die Gießen 46ers die Partie für sich zu entscheiden. Aber der Rookie der Hinrunde Shavon Shields hatte etwas dagegen und leitete mit seinen Dreier einen 11:0 Run für seine Skyliners ein. Abermals war es wieder Cameron Wells auf Gießner Seite, welcher den Vorsprung wieder schrumpfen ließ und dennoch hatten die Skyliners eine zweistellige Führung nach 30 Minuten.

Viertel 4 (17:23)
Im letzten Spielabschnitt warf Denis Wucherer alles nochmals in die Waagschale und motivierte seine Mannschaft nochmals besonders. Dabei schien die Mannschaft die Worte seines Trainers besonders verstanden zu haben und kämpften sich Punkt um Punkt zurück in die Partie. Die Spieluhr zeigt noch 1:32 zu spielen und ein Dreier von Cameron Wells gab den Gießen 46ers wieder Hoffnung. Spielstand zu diesem Zeitpunkt 59:57 für die Hausherren. Nun packten die Fraport Skyliners wieder ihre Waffe Intensität aus. Allen voran Quantez Robertson gewährte den Gießener kein Durchkommen in Richtung Korb. Seine Freiwürfe am kurz vor Ende der Partie sorgten am Ende für einen hochverdienten Derbysieg der
Fraport Skyliners.


Top des Spiels
Mit seinen vierzehn Punkten und fünf Rebounds hat Shawn Huff ein eindrucksvolles Debüt hinterlassen. Selbstverständlich war es erst das erste Spiel vom finnischen Nationalspieler im Dress, dennoch wirkte der 32-jährige Forward wie ein längeres Mitglied des Teamverbundes. Allein sein Zusammenspiel zwischen ihm und Kwame Vaughn oder Shavon Shields wirkten bereits sehr einstudiert. Sollte Huff die nächsten Spiele an dieser Leistung anknüpfen können und die Skyliners können die Intensität wieder hochhalten, dann sind die Playoffs – somit Wunschziel von Gunnar Wöbke – nicht fern.

Flop des Spiels
Eigentlich ist das Guard-Duo zwischen Cameron Wells und Skyler Bowlin die größte Waffe, welche die Gießen 46ers in ihrem Repertoire haben. Aber an diesem Sonntagnachmittag war Cameron Wells komplett auf sich allein gestellt. In seinen knapp 17 Minuten Spielzeit steuerte Skyler Bowlin lediglich zwei Punkte dabei und lag damit deutlich hinter seinem Saisonschnitt. Möchte Gießen die Playoffsplätze in Zukunft nicht aus den Augen verlieren, dann sollte Bowlin sich solche Aussetzer nicht mehr leisten und weiterhin als tatkräftige Unterstützung für Cameron Wells auftreten.

Montag, 9. Januar 2017

Mr. Zuverlässig

Bild: Eurocup
Wenn die Rede vom jüngsten Erfolg der medi Bayreuth ist, werden immer wieder Joseph „Trey“ Lewis oder Andreas Seiferth genannt. Dabei ist Nate Linhart ebenfalls eine tragende Säule des Erfolges.

Die NBA hat einen inoffiziellen Club: Den 50-40-90-Club. Bisher gehören sieben NBA-Profis diesem elitären Kreis an, darunter auch Dirk Nowitzki. Voraussetzung für die Aufnahme in den Club ist eine 50%ige Feldwurfquote, eine 40%ige Dreierquote und eine 90%ige Quote von der Freiwurflinie.
In der BBL wurde dieser Club noch nicht eingeführt, aber in der letzten Saison wäre Bryce Taylor vom FC Bayern Basketball ein Mitglied geworden. In dieser Saison kratzt zumindest Nate Linhart an dieser Marke als einziger Profi.

Akron Boy
Jeder der irgendetwas über Akron liest, verbindet die Stadt in Ohio automatisch mit dem NBA Profi LeBron James. Dabei hat Nate Linhart fast nix mit dem besten Basketballspieler des 21. Jahrhundert gemeinsam. Lediglich in seinen ersten zwei Jahren an der University of Akron spielte er gemeinsam mit dem Highschool-Freunden von LeBron James, Dru Joyce und Romeo Travis, zusammen. Dabei fiel Nate Linhart in seiner Zeit an der Universität nie besonders offensiv auf. Seine Fähigkeiten lagen mehr abseits des Balles und in der Verteidigung. Mit seinen 186 Steals in den vier Spielzeiten belegt er aktuell den dritten Platz der Bestenliste der Akron Zips. In seinem letzten Jahr schaffte er historisches mit der Mannschaft: Die Qualifikation fürs NCAA-Turnier nach über 23 Jahren. Zwar schied man bereits in der ersten Runde gegen Gonzaga aus, aber bis zur achten Minute der zweiten Halbzeit konnte man das Tempo des Favoriten aus dem hohen Norden mithalten. Aber Josh Heytvel zeigte seine individuelle Klasse und führte seine Mannschaft mit 22 Punkten zum Sieg. Nate Linhart verabschiedete sich mit einer soliden Vorstellung aus Akron und erzielte
15 Punkte. Dabei hat sein Trainer Keith Dambort eine feste Meinung über Linhart: „Akron vermisst einen harten Verteidiger wie Nate Linhart. Er war ein großartiger Kämpfer zum Rebound.“

Kurz Europa, dann doch NBA?
Trotz dieser warmen Worte seines ehemaligen Übungsleiters wurde er weder von einem NBA-Team gedraftet noch wurde er zu einem Trainingscamp eingeladen. Am Ende landete Nate Linhart in Österreich bei den Fürstenfeld Panthers. Die Steirer haben eine historische Saison hinter sich, denn zum ersten Mal in ihrer Vereinsgeschichte sicherten sie sich den Pokal. Zudem konnten sie sich bis ins Halbfinale der Meisterschaftsrunde vorkämpfen, aber scheiterten an den zukünftigen Wels. Mit Nate Linhart an der Spitze begann die Saison 2009/10 bereits mit einem Paukenschlag. Zum ersten Mal gewann Fürstenfeld den Supercup und Gegner war ihr Nemesis der letzten Saison WBC Raiffeisen Wels. Insgesamt fühlte sich Nate Linhart in seiner ersten Station in Europa sichtlich wohl. Er spielte alle 44 Spiele der Saison und stand dabei 42mal in der Anfangsformation. Wenn er gemeinsam mit Jasmon Youngblood, Timothy Burnette, Shelton Colwell und Desmond Penigar auf dem Parkett stand, hatten sie im Durchschnitt 60 Punkte mehr gemacht als die gegnerische Aufstellung. Auch im Teamverband hat sich die Verteidigung seit der Ankunft von Nate Linhart verbessert. Während 2008/09 der Gegner über 89.7 Punkte pro Partie erzielen konnte, lag die Durchschnittspunktzahl 2009/10 nur noch bei 71.6 Punkten pro Spiel. Trotz bemerkenswerter Zahlen reichte es am Ende nicht für den Meistertitel. Eine gut eingestellte Mannschaft aus Gmunden – trainiert von Mathias Fischer – und ein nicht zu stoppender Deteri Mayes waren am Ende zu viel.Trotz Wohlfühlfaktor in Österreich verfolgte Linhart seinen Traum von der NBA weiter. Er wechselte in die D-League und schloss sich den Erie BayHawks an. Dennoch erfolgte kein Anruf von einem General Manager eines NBA Vereins in der Zeit. Die Gründe sind vielfältig: Einerseits wusste Nate Linhart immer noch nicht offensiv auf sich aufmerksam zu machen in einer schnellen Liga und andererseits sind die Erie BayHawks eher ein unscheinbares D-League Team. Aber insbesondere in der Verteidigung wusste Nate Linhart wieder die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen und war einer die besten Balldiebe innerhalb der D-League.
Willkommen in der BBL
Mit dieser Ausrichtung des Spiels passte er perfekt ins Spiel und System von Henrik Rödl und ein Wechsel nach Trier erfolgte. Hierbei kam es zu einer Wiedervereinigung mit Dru Joyce. Dieser war bereits 2010 an die Mosel gewechselt. Dabei nannte ihn Henrik Rödl bei seiner Verpflichtung „einen vielseitigen Spieler auf der Position Drei“. Zwar konnte Trier den Erfolg mit Platz 10 aus der Vorsaison nicht wiederholen und landete auf Platz 14. Aber für Nate Linhart war es eine wichtige Erfahrung. Seine 9.3 Punkte pro Spiel waren der schlechteste Wert seit dem Verlassen der Universtiy of Akron. Dabei hatte dies zweierlei Gründe: Einerseits nahm er nur 189 Würfe pro Partie und zum anderen traf er lediglich 27,2% seiner Distanzwürfe. Dennoch war er als Balldieb in der Liga gefürchtet und klaute insgesamt 57mal den Ball – somit Ligabestwert.  In der Folgesaison kam es zum Umbruch innerhalb der Trierer Mannschaft und er blieb gemeinsam mit Andreas Seiferth und Joshiko Saibou übrig. Daraufhin übernahm Nate Linhart immer mehr Verantwortung und schraubte seinen Punkteschnitt auf 12.6 Punkte (Karriere-Höchstwert) und traf über 50% seiner Würfe sowie 39,5% seiner Distanzwürfe. Auch als Balldieb blieb sich Nate Linhart treu und klaute über 1,5mal den Ball pro Partie.

Europabummler
Nach diesen bemerkenswerten Zahlen und kaum anwachsenden Etat-Zahlen in Trier konnte Nate Linhart nicht zum Bleiben überredet werden. Daraufhin heuerte er beim italienischen Vertreter Umana Venezia an. Diese gewährten ihm knapp 24 Minuten Spielzeit und diese nutzte er für 9,4 Punkte pro Partie. Erwähnenswert hierbei ist seine Fähigkeit als Distanzschütze, denn er traf erstmals in seiner Karriere über 40% jenseits der 6.75m. Dennoch blieb der Mannschaftserfolg aus und Venezia landete lediglich auf Platz 11. Dabei konnten einige Überraschungssiege gefeiert werden: Wie am sechsten Spieltag gegen Mailand oder am zwölften Spieltag gegen Cantu.
Zu Beginn der Spielzeit 2014/15 standen die Zeichen auf eine Rückkehr in die Basketball Bundesliga. Der norddeutsche Verein Artland Dragons sicherte sich die Dienste von Linhart. Aber Maccabi Tel-Aviv bekundete Interesse an Linhart und kaufte ihn schlussendlich aus seinem Vertrag. Die Artland Dragons wurden mit einer Ablösesumme von 110.000€ damals entlohnt. Für Nate Linhart war es der größte sportliche Sprung. Erstmals in seiner Karriere durfte er in der Euroleague auflaufen und sich mit den Besten der Besten messen. Insgesamt 20mal durfte Linhart auf der höchsten europäischen Klasse spielen und erzielte dabei knapp 6 Punkte pro Partie. In der israelischen Liga kam er deutlich weniger zum Zuge. Nur 14 Mal ließ ihn Guy Goodes lediglich aufs Spielfeld. Dennoch nutze Nate Linhart seine Chancen und erzielte durchschnittlich 8,4 Punkte und angelte sich 5.1 Rebounds pro Partie. Trotz eines namhaften Kaders enttäuschte Maccabi Tel-Aviv in der eigenen Liga und holte nur den israelischen Pokal. Da es bei Maccabi Tel-Aviv wenig Beständigkeit gibt, wurde auch Nate Linhart Opfer der Rotationswut des Hauptstadtclubs. Im Sommer bekam er einen Anruf von Andreu Casadevall aus Saragossa. Dieser hatte bereits den Deutschen Robin Benzing nach Aragonien gelotst. Gemeinsam mit Robin Benzing soll Nate Linhart ein gutes Tandem auf der Drei geben. Aber Robin Benzing zeigte immer wieder größere Entwicklungsschritte als Linhart und somit bekam er immer mehr den Vorzug. Am Ende stand Linhart zwar 16 Minuten auf dem Parkett, aber konnte lediglich 4.1 Punkte pro Partie erzielen und traf nur 27% seiner Distanzwürfe. Im Eurocup sah seine Quote zwar bisschen besser aus, aber sein Punkteschnitt hob sich lediglich um 1.4 Punkte pro Partie.

RückkehrerDas Nate Linhart nun ausgerechnet bei medi Bayreuth seine Karriere fortsetzt ist kein Zufall. Denn sowohl sein Trainer Raoul Korner kennt ihn bereits als auch seine Teamkameraden Andreas Seiferth und Bastian Doreth. Raoul Korner über seinen Schützling: „Ich kenne Nate schon seit seiner Rookie-Saison in Österreich und bereits seit damals bin ich von seiner Vielseitigkeit und Spielintelligenz beeindruckt. Ebenso wichtig wie seine unbestrittenen spielerischen Qualitäten sind mir sein positiver Charakter und seine professionelle Einstellung!“ Seine Vielseitigkeit zeigt er bereits in dieser Saison mittels 10.2 Punkte, 4.4 Rebounds und 3.4 Assits pro Spiel und ist somit auch der Effektivste seiner Mannschaft. Darüber hinaus ist er durchaus ein Kandidat am Ende der Saison für den 50-40-90-Club sowie eine tragende Säule für die erste Playoff-Teilnahme der medi Bayreuth.